Große Marken - nichts dahinter! Die Hundefutterindustrie und ihre Tricks erkennen.
Wer sich intensiver mit der Hundeernährung beschäftigt, merkt schnell: Nicht bunte Verpackungen oder große Namen entscheiden über Qualität, sondern die Inhaltsstoffe und ihre Herkunft.
Die vier wichtigsten Regeln bei der Futterwahl
Kaltgepresstes Futter bevorzugen
Beim Kaltpressverfahren werden die Zutaten deutlich schonender verarbeitet als bei herkömmlich extrudiertem Trockenfutter. Die niedrigeren Temperaturen können dazu beitragen, dass mehr natürliche Nährstoffe erhalten bleiben. Zudem zerfällt kaltgepresstes Futter im Magen anders als stark aufgeblähte Kroketten und wird von vielen Hunden gut vertragen. Allerdings hängt die tatsächliche Qualität immer von den verwendeten Rohstoffen ab.
Monoprotein statt Mischungen
Ein hochwertiges Futter sollte möglichst nur eine tierische Eiweißquelle enthalten. Monoprotein-Futter erleichtert die Verdauung und kann insbesondere bei empfindlichen Hunden oder Allergikern sinnvoll sein. Außerdem weiß der Hundehalter genau, welche Proteinquelle gefüttert wird.
Kein Zucker im Hundefutter
Zucker hat im Hundefutter nichts verloren. Er dient häufig lediglich dazu, die Akzeptanz zu erhöhen oder minderwertige Zutaten geschmacklich aufzuwerten. Langfristig kann ein hoher Zuckergehalt Übergewicht und weitere gesundheitliche Probleme begünstigen. Deshalb gilt: Finger weg von zugesetztem Zucker oder versteckten Zuckerquellen wie Rübenmark oder Rübenschnitzel, auch wenn sie entzuckert sind!
Getreidefrei füttern
Viele Hunde vertragen Getreide problemlos, dennoch entscheiden sich zahlreiche Halter bewusst für getreidefreie Rezepturen, insbesondere bei sensiblen oder allergischen Tieren. Statt Weizen oder Mais werden alternative Kohlenhydratquellen wie Kartoffeln oder Gemüse verwendet. Wichtig ist jedoch: Getreidefreiheit allein macht noch kein hochwertiges Futter aus. Die Gesamtzusammensetzung bleibt entscheidend.
Transparenz ist wichtiger als Werbung
Ein gutes Hundefutter erkennt man vor allem an einer klaren und ehrlichen Deklaration.
Statt ungenauer Angaben wie:
- Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (4 % Huhn)
sollten hochwertige Hersteller genau ausweisen:
- 70 % Hühnerfleisch
- davon 50 % Muskelfleisch
- 20 % Herz und Leber
- Herkunft: Deutschland oder regionale Betriebe
Je transparenter die Zutatenliste, desto besser kann der Hundehalter beurteilen, was tatsächlich im Napf landet. Auch die Herkunft der Rohstoffe spielt eine wichtige Rolle und sollte nachvollziehbar kommuniziert werden.
Große Marken bedeuten nicht automatisch hohe Qualität
Viele bekannte Marken genießen großes Vertrauen, stehen jedoch immer wieder in der Kritik, weil ihre Deklarationen wenig transparent sind oder ein hoher Anteil an Getreide und Füllstoffen verwendet wird.
Häufig genannt werden beispielsweise Marken wie Royal Canin oder Josera. Während diese Produkte selbstverständlich alle gesetzlichen Anforderungen erfüllen und viele Hunde damit gut zurechtkommen, bevorzugen zahlreiche Hundehalter heute Futtermittel mit klarerer Deklaration, weniger Zusatzstoffen und einem höheren Fleischanteil. Entscheidend ist letztlich immer, die Zutatenliste kritisch zu prüfen und sich nicht ausschließlich vom Markennamen leiten zu lassen.
Ein Beispiel für Royal Canin Hypoallergnic:
Zusammensetzung:
Reismehl, Soja-Proteinisolat hydrolysiert, Tierfett, Reis, Geflügelleber hydrolysiert, Rübentrockenschnitzel, Mineralstoffe, Sojaöl, Fructo-Oligosaccharide, Fischöl, Borretschöl, Tagetesmehl.
Proteinquellen: Soja-Proteinisolat hydrolysiert (17,6%), Geflügelleber hydrolysiert (5,0%).
Kohlenhydratquelle: Reis (48,1%).
Was ist nicht gut an diesem Futter: Kein Muskelfleisch, nicht kaltgepresst (viele wichtige Inhaltsstoffe sind bereits kaputt), nicht klar in der Menge definiert, auf keinen Fall hypoallergen, "Tierfett" (das kann alles sein: Pferd, Fisch, Schwein, Frosch), Zucker in Form von Rübentrockenschnitzel, zweierlei Soja (ein täglicher Verzehr von Soja kann schädlich sein und ist meist schwer verträglich) Viel Füllmittel und gar kein gutes Muskelfleisch! Absolut kein gutes Futter!
Ein Beispiel Für Josera Lamm und Reis:
Zusammensetzung:
Reis (53,0%), getrocknetes Lammprotein (25,0%), Rübenfaser, Öle und Fette, teilweise hydrolysierte Hefe, Johannisbrotmehl, Mineralstoffe
Was ist nicht gut an diesem Futter: Kein Muskelfleisch, nur Protein, nicht kaltgepresst, nicht klar in der Menge definiert, über 50% Reis, "Öle und Fette" (das kann wieder alles sein), Zucker in Form von Rübenfaser. Auch hier: Viel Füllmittel und gar kein gutes Muskelfleisch! Absolut kein gutes Futter!
Worauf Hundebesitzer beim Kauf achten sollten
Eine gute Orientierung bieten folgende Fragen:
- Ist das Futter kaltgepresst?
- Wird nur eine tierische Proteinquelle in Form vom Muskelfleisch verwendet?
- Enthält es keinen zugesetzten Zucker?
- Ist es getreidefrei?
- Werden alle Zutaten klar und verständlich deklariert?
- Ist die Herkunft der Rohstoffe nachvollziehbar?
- Sind künstliche Farb-, Aroma- oder Konservierungsstoffe ausgeschlossen?
- Sind wichtige Mineralsoffe enthalten und offen deklariert?
Wie lese ich die Zutatenliste auf Hundefutter richtig?
Steht beispielsweise an erster Stelle:
- Mais
- Weizen
- Reis
sollte man sich bewusst machen, dass pflanzliche Bestandteile den Hauptanteil des Futters ausmachen.Ein hochwertiges Futter sollte in erster Linie klar deklarierte tierische Bestandteile enthalten.
Besonders kritisch sind Angaben wie:
- Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse
- Pflanzliche Nebenerzeugnisse
- Öle und Fette
Diese Begriffe lassen offen, welche Rohstoffe tatsächlich verwendet wurden. Sie können hochwertige Bestandteile enthalten, aber ebenso minderwertige Restprodukte.
Eine transparente Deklaration sieht beispielsweise so aus:
- 60 % Huhn
- davon 40 % Muskelfleisch
- 10 % Herz
- 10 % Leber
- Kartoffeln
- Karotten
- Leinöl
Je genauer die Angaben sind, desto vertrauenswürdiger ist das Produkt.
Besonders empfehlenswert sind Futtersorten mit nur einer tierischen Eiweißquelle.
Statt:
- Huhn, Rind, Schwein und Geflügelprotein
findet sich beispielsweise:
- 70 % Lammfleisch als einzige tierische Proteinquelle.
Das erleichtert nicht nur die Verdauung, sondern hilft auch bei Unverträglichkeiten und Allergien.
Zucker taucht selten als „Zucker“ auf der Verpackung auf.
Versteckte Bezeichnungen können sein:
- Melasse
- Karamell
- Rübenschnitzel
- Glukosesirup
- Fruktose
Zucker dient häufig dazu, die Akzeptanz des Futters zu erhöhen und minderwertige Zutaten geschmacklich aufzuwerten. Für eine gesunde Hundeernährung ist er jedoch nicht notwendig.
Die Herkunft der Zutaten
Vertrauenswürdige Hersteller geben an:
- aus welchem Land das Fleisch stammt,
- ob regionale Lieferanten genutzt werden,
- wie die Tiere gehalten wurden und
- wo die Verarbeitung stattfindet.
Weniger ist oft mehr
Eine endlose Zutatenliste mit zahlreichen Zusatzstoffen bedeutet nicht automatisch besseres Futter.
Ein hochwertiges Hundefutter zeichnet sich durch:
- wenige, hochwertige Zutaten,
- klare Deklarationen,
- natürliche Rohstoffe und
- nachvollziehbare Herkunft aus.
Fazit
Die richtige Ernährung ist weit mehr als nur Sättigung. Sie beeinflusst Lebensqualität, Wohlbefinden und Gesundheit über viele Jahre hinweg.
Nicht die bekannteste Marke entscheidet über gutes Futter, sondern Transparenz, hochwertige Zutaten und eine ehrliche Deklaration. Wer bewusst auswählt und auf Qualität statt Marketing setzt, investiert jeden Tag in die Gesundheit seines Vierbeiners – und genau das sollte das Ziel einer verantwortungsvollen Hundeernährung sein.
Gerne unterstütze ich euch in Fragen der Ernährung!
